ENTWICKLUNGSGESCHICHTE

MEILENSTEINE DER PRODUKTENTWICKLUNG

Die Dämmschichtbildner-Technologie hat ihren Ursprung im Wettbewerb zwischen Stahlbau- und Betonbauweise. In diesem unterliegt der Stahlhochbau immer dann, wenn Brandschutzanforderungen stehen. Hilfsweise aufgebrachte, zentimeterdicke Spritzputze waren nur eine Notlösung; Plattenbekleidungen gar die Not selbst. Stahlbau verlangt danach, gesehen zu werden und seine architektonische Vielfalt zur Wirkung zu bringen.

“Flammschutz Albert” und sein Nachfolger „Flammschutz-Albert-DSU 63“ (für 1963) standen zweifelsfrei am Anfang der Entwicklung reaktiver Brandschutzsysteme für Stahl und waren MaßsKennzeichnungsschilder Webtab für andere Hersteller. Namentlich Herberts in Köln war mit seinem System „Unitherm“ besonders erfolgreich und stieg sehr schnell zum Marktführer auf.

Der Bereich Holz-und Feuerschutz der Chemischen Werke Kalle-Albert wurde Ende 1968 an die Rütgerswerke AG verkauft, die dann Mitte der 1970er Jahre mit Produkten unter dem Namen „Pyroplast“ zum Holz- und Stahlbrandschutz ebenfalls in den Markt gingen.

Der technische Durchbruch reaktiver Stahl-Brandschutzsysteme blieb aber den Einschichtsystemen vorbehalten, die Anfang der 90er Jahre entwickelt wurden und die für offene Stahlprofile mit U/A < 300 1/m in einer Schicht von 790 µm einen Feuerwiderstand von 30 Minuten ermöglichten.

    "Firetex M70" von  W.& J. Leigh & Co.- Bolton, England (Z-19.11-275 vom 05.12.1989)
    „Unitherm ES" von Herberts GmbH, Köln (Z-19.11-290 vom 16.08.1990)

Die Anwendbarkeit auch für geschlossene Profile favorisierte zunächst das englische Produkt. Auch hatten die Briten als erste eine Zulassung als Außenmaterial

    „FIRETEX M70 Außen” (Z-19.11-407 vom 22.02.1991).

Dass auch mit geringen Auftragsmengen  (1.000 µm für U/A < 160 1/m) eine wirkungsvolle F30-Beschichtung für Hohlprofile erreichbar ist, zeigte

    “Nullifire S 603” (Z-19.11-423)

Und Herberts hat zuerst nachgewiesen, dass F60 mit Dämmschichtbildnern zu realisieren ist.

    "Unitherm 60" (Z-19.11-446 vom 07.09.1992).

Eine F90-Beschichtung aber blieb noch lange Zeit die technische Herausforderung, sieht man ab von

    „CHARTEK IV“ von Textron, USA (Z-19.11-475)

einer kunststoffarmierte 2-k-Epoxidharz-Beschichtung mit Dicken von 5 mm (U/A < 40 1/m) bis 13 mm (U/A > 270 1/m), die auf Erfahrungen mit Hitzeschilden aus dem Apollo-Programm zurückgreift.
Als lösemittelhaltige Produkte unter Verwendung von Xylol waren mit diesen Produkten Innenbeschichtungen stets  problematisch. Mit den Einschicht-Dispersionen auf wässriger Basis

     „Hensotherm 4KS" von Rudolf Hensel GmbH, Hamburg (Z-19.11-329 vom 21.11.1988)
     „Pyroplast 30D" von Rütgers AG, Mannheim (Z-19.11-427 vom 20.08.1991)

haben die Wettbewerber diese Lücke jedoch recht schnell geschlossen und eine beispiellose Weiterentwicklung betrieben. Vergleicht man die fortlaufende Nummerierung der Zulassungen mit der von “Stahlbrandschutz SBS 30”,  Z-19.11-2095 vom 10.07.2013 wird deutlich, dass diese Einschätzung keine Übertreibung ist.

In der Folge stellt die Weiterentwicklung mit Zielstellungen zu einer Erhöhung des erreichbaren Feuerwiderstands von F30 über F60 bis hin zu F90 zunächst noch keinen Quantensprung dar. Diesen haben vielmehr ökologische Aspekte ausgelöst und mancher war anfangs noch ungläubig darüber, dass sogar eine Stahlgrundierung auf wässriger Basis funktionieren soll? Die damalige Entscheidung für eine solche Bindemittelbasis ist heute Voraussetzung für das Bestehen der Emissionsprüfung..

Es bleibt spannend. Vorausgesagt wird der nächste Quantensprung bei der Lösung der Problematik verdeckter Eigenschaften. Die Stahlbrandschutz GmbH geht voran und hat mit ihrer deutschen Patentanmeldung DE 10 2011 116960 die Rezeptur eines  Dämmschichtbildners mit Überwachungseigenschaft vorgestellt.

DIN versus ETA - F30 und R30 sind nicht dasselbe

NATIONALE DIN 4102

EUROPÄISCHE ETA 018

Prüfung entsprechend den “Zulassungsgrundsätze für reaktive Brandschutzsysteme auf Stahlbauteilen” ,Fassung November 1997, DIBt. Nr. 4 aus 1998 S 95

Prüfverfahren zur Bestimmung des Beitrages zum Feuerwiderstand von tragenden Bauteilen entsprechend DIN EN 13381, Teil 8: “Reaktive Ummantelung von Stahlbauteilen”

  • Anwendungsbereich endet bei U/A = 300 1/m
  • Bemessungstemperatur 500°C
  • Feuerwiderstandsdauer F30, F60, F90
  • Nutzungsdauer uneingeschränkt
  • Anwendungsbereich durch den Hersteller wählbar, auch größer 300 1/m
  • unterschiedliche Bemessungstemperaturen wählbar (350°C, 400°C, 450°C, 500°C, 6000°C, 650°C, 700°C, 750°C)
  • Feuerwiderstandsdauer R15, R30, R45, R60, R75, R90, R105, R120, R150)
  • angenommene Nutzungsdauer von 10 Jahren